Archiv für den Monat: März 2009

Die Rettung

In der Hindustan Times, einer indischen Tagszeitung, habe ich in der Ausgabe vom 27.3. einen wundervollen Artikel gefunden. Er liefert die Lösung für alle Probleme auf dem Buchmarkt!

Der Artikel stammt von einer Romanautorin. Unter der Überschrift „Turning men into page turners“ erklärt Jean Hannah Edelstein, wie sie aus Männern, die ja bekanntlich im Durchschnitt weniger Bücher als Frauen lesen, Vielleser machen will. Ihr bahnbrechendes Konzept: Sie will Romane, die eher auf weibliche Leser zielen, in einer zweiten Version herausbringen. Diese Herrenausgabe soll dadurch bestechen, dass die Protagonistin einen Männernamen erhält, und dass die Romanze mehr um das Thema Fußball kreist.

Nicht schlecht, oder?

Ich sehe ihn förmlich vor mir: Kenneth O’Hara, den Libero des FC Tara, der Loretta Butler in die starken Arme nimmt und „Morgen ist auch noch ein Tag.“ schnauft. Ebenso Ewald Briest, der sich gegen das starre Korsett des DFB-Reglements auflehnt. Und den pubertierenden Lolitus, der mit der Sportprofessorin Humberta Humbert flirtet, bis diese seinen alleinerziehenden Vater heiratet.
Am besten adaptiere ich auch Satinavs Auge: Der junge Silvanesso steht kurz vor der Aufnahme in die Immanmannschaft der Drachen von Vinsalt, als auf einer Feier des Cheerleaderordens vom Roten Röckchen ein Mord geschieht …

Sehr geehrte Frau Edelstein, so lobenswert die Absicht sein mag, mehr Männer zum Lesen zu bewegen, so albern ist die Idee der Herrenausgabe. Man kann eine Protagonistin nicht per Copy und Paste in eine männliche Figur umschreiben. Und das Thema Fußball über eine bereits geschriebene Story zu kleistern, ist so sinnvoll wie der Versuch, eine Schweinshaxe mit Zucker zu bestreuen und als Dessert zu servieren. Wer Männer zum Lesen bringen will, muss Bücher schreiben, die sie gerne lesen. Solche gibt es bereits: Z.B. Fever Pitch von Nick Hornby (Thema Fußball!), das technikfixierte Werk von Michael Crichton oder die testosteronhaltigen Militärromane von Tom Clancy. Natürlich gibt es wesentlich mehr Bücher, die sich an Frauen richten. Aber es gibt ja auch – Stichwort Angebot und Nachfrage – mehr lesende Frauen als Männer. Wer letztere mit Büchern locken will, die statt eines pastellfarbenen einen blauen Einband haben, dem wünsche ich Waidmannsheil …

Durchs wilde Indien

Nach vier bunten, ereignisreichen Wochen in Indien bin ich wieder nach Deutschland zurückgekehrt. Noch bin ich dabei, all die Eindrücke und Erlebnisse auf dem Subkontinent zu verarbeiten. Wer hätte zum Beispiel gedacht, dass die Inder einem Sport verfallen sind, den man in den meisten anderen Ländern gar nicht kennt? Oder dass es Menschen gibt, die beim Lachen die Zunge herausstrecken? Darüber hinaus weiß ich jetzt, wie es ist, einen Hausdiener zu haben und dass die westliche Musik, wenn mann sie mit der indischen vergleicht, auf geradezu banal einfachen Rhythmen und Tonleitern beruht.

Aber einen großen Vorteil hat es doch, dass ich wieder in Deutschland bin: Hier kann ich meine Muse auf offener Straße küssen, ohne gegen die Landesgebote von Anstand und Sitte zu verstoßen. Die meisten Inder sind nämlich noch prüder, als wie sie nach Cricket verrückt sind.

Auf dem nebenstehenden Foto kann man meine Muse und mich sehen: Wir stehen auf einer Reservierungsliste des zweitgrößten Arbeitgebers der Welt, der Indian Railway Company. Der Name der Muse ist dabei allerdings etwas durcheinander geraten. In Wirklichkeit heißt sie nämlich gar nicht Papaya.

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