Archiv für den Monat: Januar 2016

William Gibson über die Verfügbarkeit von Kultur

„If you had never heard recorded music and you didn’t have it as a category of experience—if it simply never existed for you—I think that your concept of what music is would be fantastically different. Something that’s happened, a change that’s occurred over the course of my own life that I think somewhat puts this vague claim I’m making into perspective, is the way in which seeing a film used to be something that was so dependent on so many factors that it made it largely unrepeatable. You could see the film on its theatrical release, but unless you lived in, say, New York, there were no repertory cinemas. So people saw a film once and then lived with it in memory, there was no television, there were no videotapes of films. Film existed primarily in memory, and the experience of actually seeing it was very intense.“

Die Themen des vergangenen Jahres

Im  vergangenen Jahr gab es so viele schlagzeilenträchtige Ereignisse, dass es mir gegen Ende schwer fiel, mich an die Themen vom Jahresanfang zu erinnern. Flüchtlingskrise, Terroralarm in Paris, Klimagipfel – da war doch vorher was mit Griechenland gewesen? Und gab es im Januar 2015 nicht schon einen Anschlag in Paris?

Im Angesicht der aktuellen Themen ist es schwierig, sich an die Aufreger von vor sechs oder zwölf Monaten zu erinnern. Das ist kein neues Phänomen: die meisten Filme mit Oscar-Ambitionen kommen im Dezember oder Januar in die Kinos, kurz vor der Preisverleihung, weil die Juroren sich eher für einen Film entscheiden, den sie vor Kurzem gesehen haben als für einen vom Jahresbeginn.

Ich wollte wissen, wie sich die Themen, die 2015 in den Nachrichten an erster Stelle kamen, über das Jahr verteilen. Dafür habe ich mir für alle Sendungen der Tagesschau und Tagesthemen die jeweils erste Schlagzeile angeschaut. Welche Themen wurden dabei wie oft genannt?

Welche Themen wurden wie oft an erster Stelle genannt?
Welche Themen wurden wie oft an erster Stelle genannt?

Dass die Flüchtlings- und die Griechenlandkrise auf den vorderen Plätzen liegen würden (111 bzw. 98 Nennungen), hatte ich erwartet. Erstaunt war ich darüber, wie deutlich die beiden Krisen das Thema Terror hinter sich ließen („nur“ 54 Nennungen). Interessant fand ich auch, dass die bewaffneten Konflikte in Syrien und der Ukraine (24 bzw. 22 Nennungen) den Nachrichtenredaktionen praktisch genauso wichtig waren wie der FIFA-Skandal (23 Nennungen). Der Skandal um VW ist dagegen weit abgeschlagen (14 Nennungen), und der Klimagipfel wurde gar nur achtmal zuerst erwähnt wurde.

Komplett vergessen hatte ich dagegen den Co-Piloten, der Ende März eine Germanwings-Maschine zum Absturz brachte und dabei 149 Menschen mit in den Tod riss. Hier sind einige weitere Schlagzeilen, die ich nicht mehr auf dem Zettel hatte:

  • Putin-Kritiker Nemzow in Moskau erschossen (28.2.)
  • Mindestens 21 Tote bei Anschlag auf Nationalmuseum in Tunis (18.3.)
  • Mehr als 1000 Todesopfer bei Erdbeben in Nepal (25.4.)
  • Lokführerstreik legt Bahnverkehr lahm (20.5.)
  • Massive Kritik an Vorgehen gegen Netzpolitik.org (31.7.)

Nun kann man sich nicht alles merken, aber es ist doch erstaunlich, wie die Themen, über die wir vor ein paar Monaten angeregt diskutiert haben, plötzlich vergessen sind.

Wo ich schon einmal dabei war, meinen Datensatz auszuwerten, habe ich noch etwas weiter darin herumgestochert.

Welcher Politiker wurde wie oft genannt?
Welcher Politiker wurde wie oft genannt?

Politikernennungen: Unter den ausländischen Staatschefs machte der griechische Ministerpräsident Tsipras das Rennen (11 Nennungen) und stach sowohl Putin als auch Hollande aus (jeweils 7 Nennungen). Vizekanzler Gabriel kam achtmal an die Reihe. Horst Seehofer kann sich darüber freuen, dass er den Tagesthemen/Tageschau ebenso wichtig war wie Barack Obama – allerdings wurden beide von Helmut Schmidt überflügelt.

Welche Partei wurde wie oft genannt?
Welche Partei wurde wie oft genannt?

Parteinennungen: Die FDP ist nicht im Bundestag vertreten, wurde aber häufiger genannt als Linke und Grüne zusammen. Das Gleiche gilt für die NPD. Die AfD bekam gar fünf Erstnennungen, zwei mehr als die CSU und nur eine weniger als die beiden Regierungsparteien.

Hoffentlich gibt es 2016 nicht ganz so viele düstere Schlagzeilen. Die ersten Tage lassen jedenfalls nichts Gutes ahnen …