Warum ich einen Roman per Crowdfunding finanziere

So. Vorhin habe ich die Crowdfunding-Kampagne für Amoralisch gestartet. Fast drei Monate lange habe ich auf diesen Tag hingearbeitet, habe existierende Crowdfunding-Projekte angeschaut (erfolgreiche und gescheiterte), zig Modelle und Budgets durchgerechnet und Feedback von Freunden und Kollegen eingeholt. In den kommenden Wochen wird sich zeigen, ob genug Geld zusammenkommt, um den Roman zu verwirklichen. Es ist ein Experiment, ganz klar, und der Erfolg ist nicht garantiert. Aber ich glaube, dass es sich am Ende lohnen wird. Hier sind die Gründe dafür:

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Ich habe stets klassisch bei Printverlagen veröffentlicht und ich bin damit nicht schlecht gefahren. Doch der Buchmarkt ist in Aufruhr, Internetversandhändler und E-Books stellen das Geschäft auf den Kopf.  So berechtigt die Kritik von Autoren daran, wie die Branche auf die Umwälzungen reagiert, auch ist, ich möchte derzeit nicht in der Haut eines Verlegers stecken. Leider heißt das nicht, dass Verlage die einzigen sind, die zu kämpfen haben. Im Gegenteil: Selbst für etablierte Autoren wird es immer schwieriger, ihre Bücher an den Mann bzw. die Frau zu bringen.

Zum Glück macht das Internet nicht nur alles kaputt, sondern auch alles neu. Heute gibt es Geschäftsmodelle, die vor zehn oder zwanzig Jahren buchstäblich unvorstellbar waren. Im Grunde ist dies eine großartige Zeit, um Autor zu sein: Nie zuvor war es einfacher als heute, Texte direkt zum Publikum zu bringen. Zwar gibt es den Selbstverlag schon lange, doch hatte er (nicht zu unrecht) ein miserables Image. Aber das ist Geschichte: Dank Satzprogrammen für den PC, freien Lektoren und Onlinedruckereien ist es heute absolut möglich, ein qualitiv hochwertiges Buch zu realistischen Preisen herzustellen. Darum: Ein Hoch aufs Internet! Wann, wenn nicht jetzt! Seid umschlungen, Millionen potenzielle Leser!

Naja, mal gucken. In jedem Fall glaube ich, dass dies genau die richtige Zeit ist, um mit Publikationsformen wie Crowdfunding zu experimentieren und herauszufinden, was funktioniert und was nicht. Tatsächlich denke ich bereits über meinen nächsten Coup nach: Wenn die Printausgabe von Amoralisch erschienen ist, will ich das E-Book nicht zu einem festen Preis, sondern gegen eine freiwillige Spende online stellen. Aber eins nach dem anderen…

Ein weiterer Grund, warum ich Amoralisch selbst herausbringen wollte, ist der Erscheinungstermin. Auf dem Buchmarkt werden die Vorlaufzeiten immer länger. Selbst wenn morgen jemand von Blanvalet oder KiWi anriefe und mir ein Angebot machte, würde der Roman nicht vor 2016 erscheinen. Dadurch, dass ich alles selbst in die Hand nehme, wird es noch vor Weihnachten 2014 so weit sein.

Dagegen ist es nicht so, dass ich erwarte, mit einem crowdfinanzierten Roman Geld zu verdienen. Das Budget von 7.500€ wird komplett für Lektorat, Titelbild und Druck draufgehen. Für ein Autorenhonorar bleibt da nichts übrig. Das ist in Ordnung, ich wusste ja, worauf ich mich einlasse. Wenn ich genug Bücher verkaufe, werde ich auch einen Gewinn erzielen – es sei denn, ich verkaufe nicht genug Bücher, dann bleibt nämlich gar nichts übrig. Dieses Risiko hat bislang mein Verlag getragen. Diesmal trage ich es selbst.

Das sind sie also, meine Beweggründe für die Crowdfunding-Kampagne. Ich sehe die Chancen und die Risiken, und aus Erfahrung weiß ich, dass beim klassischen Modell auch nicht immer alles toll ist. Insofern lasse ich das Ganze einfach auf mich zukommen und vertraue voller Naivität Optimismus darauf, dass ein guter Roman am Ende auch gelesen wird, egal auf welchem Weg er erscheint.

2 Gedanken zu „Warum ich einen Roman per Crowdfunding finanziere

  1. Es gibt sicherlich einige viele Gründe mehr, warum man auf Crowdfunding zurückgreifen. Letztendlich ist es eine sehr gute Möglichkeit, um sein eigenes Projekt vorzustellen und finanzielle Unterstützung zu finden.

    1. Du hast recht, es noch weitere Gründe; ich habe mich im Blogeintrag auf die entscheidenden konzentriert. Und letztendlich macht man beim Crowdfunding ja exakt das, was du schreibst: das eigene Projekt vorstellen und finanzielle Unterstützung finden.

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