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Die Coronakrise (aus einem Schüleraufsatz, 3. Klasse)

(Anmerkung: Diese kurze Geschichte habe ich im März oder April 2020 geschrieben, also während des ersten Lockdowns. Was ich da noch optimistisch war …)

Vor zehn Jahren war die Coronakrise. Sie war sehr schlimm, vor allem für meine Eltern, weil die mussten dann viele Wochen lang miteinander zu Hause bleiben und das war bestimmt furchtbar langweilig. Mich gab es damals noch nicht, ich wurde erst neun Monate später geboren. Aber sie haben mir alles erzählt und darum weiß ich, was da los war.

Ich habe meine Mama gefragt, warum es „Coronakrise“ heißt, und sie hat gesagt, ich soll nicht immer so viele Fragen stellen und ob ich meinen Papa schon gefragt habe. Also habe ich meinen Papa gefragt, und der hat gesagt, hmm tja, gute Frage, äh, also er glaubt, das ist nach einer Biersorte benannt, die immer so virales Marketing gemacht hat. Da hat er bestimmt recht, sonst hieße es ja nicht Coronavirus. Ein Virus ist so ein winzig kleines Ding, das man nicht sehen kann, aber es ist trotzdem da. Wenn man es hat, dann kommt es aus der Nase oder dem Mund raus und fliegt genau anderthalb Meter weit durch die Luft, und wenn da welche stehen, stecken die sich an. Darum mussten alle Abstand halten und eine Maske tragen, genau wie im Cowboyfilm

Für Kinder ist das Coronavirus nicht so schlimm, aber Erwachsene können davon krank werden, und wenn sie sehr alt sind oder schon vorher krank waren, dann sterben sie. Und wenn ganz viele gleichzeitig krank werden, dann müssen sie im Krankenhaus auf dem Flur liegen, und dort sterben dann alle. Also ich finde, wenn die Flure so gefährlich sind, sollte man die Krankenhäuser lieber ohne bauen.

Damit nicht alle Erwachsenen auf dem Krankenhausflur sterben, sind die Menschen viele Wochen lang zu Hause geblieben. Vorher sind sie noch schnell in den Supermarkt und haben Klopapier gekauft. Dann ist die Frau Bundeskanzlerin rumgegangen und hat alle Haustüren abgeschlossen, damit keiner mehr rausgehen kann. Nicht mal ins Schwimmbad! Die Erwachsenen haben ihre Arbeit nicht mehr am Computer im Büro erledigt, sondern am Computer zu Hause, und die Kinder mussten nicht zur Schule. Nur Hausaufgaben gab es leider trotzdem. Am glücklichsten waren bestimmt die Hunde, weil die Menschen jetzt den ganzen Tag zu Hause waren, nämlich wenn wir morgens aus der Wohnung gehen, ist Fußhupe jedes Mal sehr traurig. (Eigentlich heißt er Felix, aber Papa nennt ihn immer Fußhupe, wenn Mama es nicht hört.)

Als sie wieder nach draußen gehen durften, waren alle sehr froh. Nur die Hunde nicht. Alles sah anders aus als sonst, nämlich die Parks waren viel sauberer und die Seen und Flüsse hatten so klares Wasser. Die Omas und Opas waren noch am Leben, jedenfalls die meisten. Leider waren ein paar Leute doch heimlich draußen gewesen, weil es ihnen drinnen zu langweilig war, und danach haben sie ihre Großeltern mit Corona angesteckt und die sind dann gestorben. Das war nicht sehr nett.

Es dauerte Jahre, bis Corona besiegt war und keiner mehr davon krank wurde. Aber dass alle die ganze Zeit zu Hause bleiben mussten, das war zum Glück vorbei. Dafür ging jetzt die Wirtschaftskrise los. Eine Wirtschaftskrise ist, wenn ganz viele Restaurants schließen müssen und die Mamas und Papas keine Arbeit mehr haben. Manche hatten nicht mal mehr Essen, nur noch Klopapier! In den Nachrichten haben sich alle gestritten. Einige haben gesagt, Corona sei nur eine Erfindung und andere haben gemeint, schon schade, wenn alle Omas und Opas sterben, aber wenigstens gibt es dann mehr freie Wohnungen in der Innenstadt. Und wieder andere haben gesagt, das ist zwar schon wichtig mit den Vorsichtsmaßnahmen, aber Fußball und neue Autos sind noch wichtiger, und wenn sie die Maske vor Mund und Nase tragen, kriegen sie keine Luft mehr.

Je länger der ganze Streit gedauert hat, umso mehr Leuten ist aber aufgefallen, dass ein paar Sachen plötzlich besser als vorher waren. Zum Beispiel gab es nicht mehr so viele Staus, weil es sind ja viel weniger Menschen mit dem Auto zur Arbeit gefahren. Politiker haben eingesehen, dass schnelles Internet gar kein Luxus ist, wie sie immer dachten, sondern total wichtig. Und Krankenpfleger und Lehrer bekamen endlich mehr Geld für ihre Arbeit.

Aber am Wichtigsten war, dass die Erwachsenen vorher immer gesagt hatten: „Ja, schon schlimm, das mit dem Klimawandel, aber leider können wir ja gar nichts gegen die Erderwärmung machen, denn dazu müssten wir ja unser gesamtes Leben umkrempeln und das geht nun wirklich nicht.“

Doch in der Coronakrise haben die Erwachsenen dagegen gemerkt: „Hey, das geht ja doch.“

Also haben sie angefangen, CO2 zu besteuern. Sie haben Kohlekraftwerke ausgeschaltet und neue Bäume und Windräder gepflanzt. Es gibt mehr Eisenbahnen und weniger Autos. Und fast alle haben aufgehört, Klimawandel zu sagen, weil das so falatistisch … fatalastisch-… weil das so klingt, als könnte man es nicht verhindern, egal was passiert. Jetzt sagen alle Klimakatastrophe. Und die ist schlimm genug, denn es wird noch lange dauern, bis die Erde sich nicht mehr weiter erwärmt und der Meeresspiegel aufhört zu steigen. Aber immerhin versuchen wir jetzt, die Katastrophe weniger schlimm zu machen. Und so hatte die Coronakrise doch noch was Gutes.

Nur schade, dass es nicht für immer schulfrei gibt.

Nachlese Leipziger Buchmesse

Vergangene Woche war ich in Leipzig, auf der schöneren der beiden großen Buchmessen in Deutschland. Ich habe zwei Lesungen gehalten und viele supernette Leute kennengelernt. Ich lasse ja nicht gerne was auf Frankfurt kommen, aber was Buchmessen angeht, hat Leipzig einfach die Nase vorn.

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Hier lese ich auf dem Literaturforum in Halle 5. Ganz schön high-brow! (Bild: https://www.facebook.com/vertriebscentrum/)

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Nicht vergessen: Am Donnerstag gebe ich zwei Lesungen aus „Amoralisch“.

  • um 12:30 Uhr auf dem Forum Literatur, Halle 5 der Leipziger Buchmesse
  • und um 18:30 Uhr in der Leipziger Löwenapotheke (siehe Poster).

Hoffentlich bis dann!

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William Gibson über die Verfügbarkeit von Kultur

„If you had never heard recorded music and you didn’t have it as a category of experience—if it simply never existed for you—I think that your concept of what music is would be fantastically different. Something that’s happened, a change that’s occurred over the course of my own life that I think somewhat puts this vague claim I’m making into perspective, is the way in which seeing a film used to be something that was so dependent on so many factors that it made it largely unrepeatable. You could see the film on its theatrical release, but unless you lived in, say, New York, there were no repertory cinemas. So people saw a film once and then lived with it in memory, there was no television, there were no videotapes of films. Film existed primarily in memory, and the experience of actually seeing it was very intense.“

Die Themen des vergangenen Jahres

Im  vergangenen Jahr gab es so viele schlagzeilenträchtige Ereignisse, dass es mir gegen Ende schwer fiel, mich an die Themen vom Jahresanfang zu erinnern. Flüchtlingskrise, Terroralarm in Paris, Klimagipfel – da war doch vorher was mit Griechenland gewesen? Und gab es im Januar 2015 nicht schon einen Anschlag in Paris?

Im Angesicht der aktuellen Themen ist es schwierig, sich an die Aufreger von vor sechs oder zwölf Monaten zu erinnern. Das ist kein neues Phänomen: die meisten Filme mit Oscar-Ambitionen kommen im Dezember oder Januar in die Kinos, kurz vor der Preisverleihung, weil die Juroren sich eher für einen Film entscheiden, den sie vor Kurzem gesehen haben als für einen vom Jahresbeginn.

Ich wollte wissen, wie sich die Themen, die 2015 in den Nachrichten an erster Stelle kamen, über das Jahr verteilen. Dafür habe ich mir für alle Sendungen der Tagesschau und Tagesthemen die jeweils erste Schlagzeile angeschaut. Welche Themen wurden dabei wie oft genannt?

Welche Themen wurden wie oft an erster Stelle genannt?
Welche Themen wurden wie oft an erster Stelle genannt?

Dass die Flüchtlings- und die Griechenlandkrise auf den vorderen Plätzen liegen würden (111 bzw. 98 Nennungen), hatte ich erwartet. Erstaunt war ich darüber, wie deutlich die beiden Krisen das Thema Terror hinter sich ließen („nur“ 54 Nennungen). Interessant fand ich auch, dass die bewaffneten Konflikte in Syrien und der Ukraine (24 bzw. 22 Nennungen) den Nachrichtenredaktionen praktisch genauso wichtig waren wie der FIFA-Skandal (23 Nennungen). Der Skandal um VW ist dagegen weit abgeschlagen (14 Nennungen), und der Klimagipfel wurde gar nur achtmal zuerst erwähnt wurde.

Komplett vergessen hatte ich dagegen den Co-Piloten, der Ende März eine Germanwings-Maschine zum Absturz brachte und dabei 149 Menschen mit in den Tod riss. Hier sind einige weitere Schlagzeilen, die ich nicht mehr auf dem Zettel hatte:

  • Putin-Kritiker Nemzow in Moskau erschossen (28.2.)
  • Mindestens 21 Tote bei Anschlag auf Nationalmuseum in Tunis (18.3.)
  • Mehr als 1000 Todesopfer bei Erdbeben in Nepal (25.4.)
  • Lokführerstreik legt Bahnverkehr lahm (20.5.)
  • Massive Kritik an Vorgehen gegen Netzpolitik.org (31.7.)

Nun kann man sich nicht alles merken, aber es ist doch erstaunlich, wie die Themen, über die wir vor ein paar Monaten angeregt diskutiert haben, plötzlich vergessen sind.

Wo ich schon einmal dabei war, meinen Datensatz auszuwerten, habe ich noch etwas weiter darin herumgestochert.

Welcher Politiker wurde wie oft genannt?
Welcher Politiker wurde wie oft genannt?

Politikernennungen: Unter den ausländischen Staatschefs machte der griechische Ministerpräsident Tsipras das Rennen (11 Nennungen) und stach sowohl Putin als auch Hollande aus (jeweils 7 Nennungen). Vizekanzler Gabriel kam achtmal an die Reihe. Horst Seehofer kann sich darüber freuen, dass er den Tagesthemen/Tageschau ebenso wichtig war wie Barack Obama – allerdings wurden beide von Helmut Schmidt überflügelt.

Welche Partei wurde wie oft genannt?
Welche Partei wurde wie oft genannt?

Parteinennungen: Die FDP ist nicht im Bundestag vertreten, wurde aber häufiger genannt als Linke und Grüne zusammen. Das Gleiche gilt für die NPD. Die AfD bekam gar fünf Erstnennungen, zwei mehr als die CSU und nur eine weniger als die beiden Regierungsparteien.

Hoffentlich gibt es 2016 nicht ganz so viele düstere Schlagzeilen. Die ersten Tage lassen jedenfalls nichts Gutes ahnen …

(Bildquelle: Screenshot www.tagesschau.de)