Freund und Helfer

Mittwoch morgen ging ich mit meiner Muse zum Einkaufen. Vor dem Haus fiel uns ein Polizeiauto auf, das die Straße absperrte. Es war keine Demonstration unterwegs, kein Unfall passiert – seltsam.

Auf dem Weg zum Supermarkt passierten wir immer mehr Wagen in blausilber-metallic. Immer noch kein Zeichen der schröcklichen Bedrohung, vor der uns die wachsamen Staatsdiener schützen wollten. Wir kauften dann ein, gingen nach Hause, räumten die Lebensmittel in den Kühlschrank – und lasen auf Spiegel Online das hier als Eilmeldung.

Ja klar. Die Schanze, der Terroristenhort.
Viele Zeitungen haben den Sinn und die Verhältnismäßigkeit dieser großangelegten Razzia danach kritisiert. Selbst das sonst so konservative Hamburger Abendblatt bezeichnete die Aktion als „spektakulär“ und forderte die Bundesanwaltschaft auf, dem „Muskelspiel“ handfeste Beweise gegen Terrorverdächtige folgen zu lassen.

Ich persönlich finde es interessant und beängstigend zugleich, wie sich hier die Bedeutung des Begriffs „Terror“ verschiebt. Linke Globalisierungsgegner bekommen das Etikett „Terrorist“ angehängt, weil sie möglicherweise vorhaben, über einen Zaun zu klettern. Vor nicht allzu langer Zeit musste man noch Leute in die Luft sprengen und Flugzeuge entführen, um Terrorismus zu betreiben.
Ich frage mich, was der Grund für diese Begriffsverschiebung ist. Ist es wirklich die Militanz der G8-Gegner? Oder doch eher das verschärfte Sicherheitsklima in Deutschland und der westlichen Welt, wo seit dem 11. September die Angst vor dem eigenen Schatten umgeht? Wenn heute jeder Farbbeutelwurf auf mögliche terroristische Hintergründe hin untersucht wird, dann ist es vielleicht kein Wunder, dass man immer häufiger einen zu finden glaubt.